ge-ordnete Verhältnisse im Stuhlkreis

In einem Kinderhort. Erziehungsdiskurse an der Wand für Menschen zwischen fünf bis neun Jahren, in Weiss, Farbe der Unschuld. Unschuldige Ordnung für Unschuldige- damit man sie nicht vergisst- auch wenn man die Wörter noch garnicht oder mehr schlecht als recht lesen kann.

„Hilfe“, sagt ein Kind.

"...und die Institution antwortet:
»Du brauchst vor dem Anfangen keine Angst zu haben; wir alle sind da,
um dir zu zeigen, daß der Diskurs in der Ordnung der Gesetze steht"

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..wir alle sind da, um dir zu zeigen,daß man  seit jeher über
seinem Auftreten wacht; daß ihm ein Platz bereitet ist, der
ihn ehrt, aber ent­waffnet; und daß seine Macht, falls er welche
hat, von uns und nur von uns stammt.«
bild006
Aber vielleicht sind diese Institution
und dieses Begehren nur zwei entgegengesetzte Antworten auf
ein und dieselbe 
Un­ruhe:
Unruhe angesichts dessen, was der Diskurs in seiner materiellen
Wirklichkeitals gesprochenes oder geschriebenes Ding ist;
Unruhe angesichts jener vergänglichen Existenz, die zweifellos
dem Verschwinden geweiht ist, aber nach einer Zeitlichkeit, die
nicht die unsere ist;
Unruhe, die unter jener alltäglichen und unscheinbaren Tätigkeit
nicht genau vor­stellbarer Mächte und Gefahren zu verspüren ist;
verdächtige Unruhe von Kämpfen, Siegen, Verletzungen,
Überwältigun­gen und Knechtschaften in so vielen Wörtern, deren
Rauhei­ten sich seit langem abgeschliffen haben.

Aber was ist denn so gefährlich an der Tatsache,daß die Leute
sprechen und daß ihre Diskurse endlos weiterwuchern?
Wo liegt die Gefahr?"

In der...Umkehrung?

bild007


Ein Stockwerk höher. Ein übrig gebliebener, erschöpft und verwirrt wirkender Plüschhase, hinter Gittern.

bild000

(Textausschnitte aus Michel Foucault: "Die Ordnung des Diskurses")
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Ein Kommentar

Eingeordnet unter über....

Eine Antwort zu “ge-ordnete Verhältnisse im Stuhlkreis

  1. czz

    wunderbare , böse collage .
    the sad thing is though that the photos show the truth .
    wie kann man kinder nur solche ordnungs- parolen als „sgraffiti“ an die wände malen lassen –
    man fühlt sich an den sinnspruch- fimmel des 19. jahrhunderts erinnert , wenn nicht gar an die omnipräsenz ordnungspolitischer parolen in diktaturen …

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