Kaffee in Äthiopien ist bedroht


Der äthiopische Kaffee ist bedroht- aus einer Pressemitteilung der Uni Bonn

Weit abseits der Schlagzeilen ereignet sich in Äthiopien momentan eine ökologische Katastrophe: Das Bevölkerungswachstum und eine immer intensivere Landwirtschaft führen zum Verschwinden der Bergregenwälder – unter anderem Heimat und Ursprungsgebiet einer der wichtigsten und feinsten Kaffeearten weltweit, des Arabica-Kaffees. Das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn schlägt nun in einem „Policy Brief“ Alarm.

Die Bestände des wilden Arabica-Kaffees zeigen eine hohe genetische Vielfalt, die sich für die Züchtung neuer Kaffeesorten nutzen lässt. Nicht nur deshalb fordert das ZEF, der fortschreitenden Entwaldung Einhalt zu gebieten. Der vorliegende Policy Brief mit dem Titel „Entwaldung der äthiopischen Bergregenwälder: Warum wir uns Sorgen machen sollten“ schlägt aber auch Lösungsansätze vor, die zum Erhalt des empfindlichen Ökosystems beitragen könnten. Das Policy Brief basiert auf Ergebnissen aus dem ZEF Projekt „Schutz und Nutzung von Wildkaffee in den äthiopischen Bergregenwäldern“.

Bisher spielt sich die ökologische Katastrophe nahezu unbemerkt von den Augen der Weltöffentlichkeit ab. Ein Grund ist, dass Maßnahmen zum Erhalt der Wälder einen Preis haben. Zwar boomt der Markt für exklusiven Kaffeegenuss in Europa, und die Konsumenten sind durchaus bereit, höhere Preise für fair gehandelten und biologisch angebauten Kaffee zu bezahlen. Doch ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass ein höherer Marktpreis für Wildkaffee automatisch zu einer nachhaltigen Nutzung im Herkunftsgebiet führt. „Wir befürchten vielmehr das Gegenteil, also die Übernutzung des Waldes und der Wildkaffeevorkommen“, erklärt Projektleiter Manfred Denich vom ZEF.

Es sei unumgänglich, Nutzungskonzepte und Kontrollmechanismen gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung zu entwickeln. Weder der Markt noch die äthiopische Regierung allein könnten den Wildkaffee und den äthiopischen Bergregenwald erhalten. Öffentliche Wahrnehmung, Bewusstsein und Interesse auf allen Ebenen müssten geweckt und in die Tat umgesetzt werden. „Wir müssen Rechte und Pflichten der Kleinbauern so definieren, dass es sich für sie und die nachfolgenden Generationen lohnt, in den Erhalt des Waldes und des Bodens zu investieren“, betont der Autor des Policy Briefs Franz Gatzweiler, Agrarökonom am ZEF.

Die Kosten für den Schutz könnten jedoch nicht alleine von den Ärmsten getragen werden. Die Stärkung der äthiopischen Zivilgesellschaft, insbesondere im Umweltbereich, sei besonders wichtig. Aus diesem Grund hat das Projekt die Gründung einer äthiopischen Umweltorganisation unterstützt. Ihr Leiter Tadesse Gole betont: „Nur wenn die Bevölkerung vor Ort, die äthiopische Regierung und die internationale Gemeinschaft zusammenarbeiten, ist ein wirksamer Schutz der Kaffeewälder möglich!“

Das englischsprachige „Policy Brief“ ist auf der Seite des Zentrums für Entwicklungsforschung einzusehen.
Das vom ZEF geleitete und durchgeführte Forschungsprojekt ist Teil des BioTeam-Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Kaffee in Äthiopien ist bedroht

  1. Auch wenn der Titel „Kaffee-Katastrophe in Äthiopien“ zu übertrieben und reißerisch klingt, doch ohne lautes Trommeln findet man wenig Gehör. Die sog. „Katastrophe“ kommt in der Wirklichkeit eher auf „leisen Sohlen“ denn mit Brachialgewalt daher – aber stetig und unaufhaltsam, weshalb der Titel des ´ZEF Policy Briefs Nr 7´ „Entwaldung der äthiopischen Regenwälder: Warum wir uns Sorgen machen sollten“ denn auch deutlich treffender gewählt ist. Aber wie immer die Formulierung auch gewählt sein mag: Die Regenwälder im Südwesten Äthiopiens sind massiv bedroht, und sie werden über lang oder kurz verschwunden sein – wenn nicht schleunigst realisierbare Maßnahmen ergriffen werden! Aber die Gemengelage ist kompliziert! Franz Gatzweiler, Autor des „Policy Briefs Nr.7),listet u.a. folgende Faktoren auf: häufiger Regierungs- und Politikwechsel, fehlende institutionelle Kontinuität, unsichere Rechtslage in Landeigentumsfragen, Umsiedlungsprogramme, Bevölkerungszuwachs sowie Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche und infrastrukturelle Entwicklungen.

    Obwohl wir (Maskal – fine coffee company) selbst äthiopischen Wildkaffee anbieten (den man generell besser als Waldkaffee bezeichnen sollte), sind wir uns sehr deutlich der Gefahr bewußt, dass der Handel mit diesem Kaffee den Wald gegebenfalls nicht erhält, sondern seine Abholzung sogar beschleunigt! Franz Gatzweiler hat deshalb auch vollkommen recht wenn er darauf hinweist, dass es nicht nachgewiesen ist, „dass ein höherer Marktpreis für Wildkaffee automatisch zu einem nachhaltigen Anbau im Herkunftsgebiet führt. Genau das Gegenteil, also die Übernutzung des Waldes und der Wildkaffeevorkommen, ist ohne wirksame Institutionen sehr viel wahrscheinlicher.“
    Aus diesem Grund sollte jeder Kafeeröster und -händler die Bildung einer stabilen institutionellen Struktur, die die Nutzung der Regenwälder zuverlässig kontrolliert, unterstützen. Aber das geht nicht, wenn man lediglich den „Wildkaffee“ von einem Importeur kauft und behauptet, damit per se eigutes Werk zu tun. Die Sitation vor Ort ist dafür zu komplex. Und die Erfahrung der letzten Jahre hat
    leider auch gezeigt, dass neu gegründete Institutionen wie z.B. die „Kaffa Forest Coffee Farmers Cooperative Union“, über die der gesamte Wildkaffee aus Kaffa (Bonga) verhandelt wird, noch sehr instabil sind.
    Hierzu ein Beispiel aus eigener Erfahrung: nur wenige Monate nachdem ich mich im März 2006 mit dem Manager der Union, Ephrem Ayele, im neu eingerichteten Büro in der Maskal Flower Road in Addis Abeba getroffen habe, hat er sich, so hieß es kurze Zeit später, in die USA abgesetzt. Als ich das Büro im Juni 2007 erneut aufsuchte war es leer, und ein Anruf bei einem Mitarbeiter, dessen Telefonnummer ich noch in der Tasche hatte, wurde nur mit „Ich kann leider keine Auskünfte geben“ beantwortet.
    Ein weiteres Problem bei der Union war die Abspaltung der Kooperativen aus Bench-Maji, deren Kaffee ebenfalls über die Union vertrieben wurde, da die Bauern, so verlautete es jedenfalls von dort, ihre Prämien nicht bekamen – sie blieben offensichtlich „irgendwo im Management hängen“. Bewiesen ist nichts (man muss mit solchen Verlautbarungen vorsichtig sein), aber die Abspaltung ist real, und Mitte 2007 haben die beiden Benj-Maji-Kooperativen „Aman“ und „Gizmeret“ ihre eigene Exportlizen beantragt. Dies wiederum war aber nur mit institutioneller Hilfe aus dem Ausland, aus Holland, möglich. Da wir mit einigten Beteiligten in direktem Kontakt stehen und immer sehr genau über die Entwicklungen informiert sind, kaufen wir derzeit ausschließlich den Kaffee der Gizmeret-Kooperative, die Kaffa-Union ist uns persönlich zu unbeständig in ihren Handlungen.

    Ich habe an diesem Beispiel versucht zu zeigen, wie die idealisierte und leider weit verbreitete Geisteshaltung in Konsumländern wie Deutschland „Wir kaufen (oder verkaufen) äthiopischen Wildkaffee und das rettet die Regenwälder und bringt den Bauern mehr Geld in die Tasche“ doch häufig leider sehr weit von der Wirklichkeit entfernt sind. Handeln ist wichtig. Aber genau hinschauen und richtig handeln, das ist eine ganz andere Sache!

    Dr. Hans-Jürgen Langenbahn
    Maskal – fine coffee company
    http://www.maskal.de/

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