In einem Kinderhort. Erziehungsdiskurse an der Wand für Menschen zwischen fünf bis neun Jahren, in Weiss, Farbe der Unschuld. Unschuldige Ordnung für Unschuldige- damit man sie nicht vergisst- auch wenn man die Wörter noch garnicht oder mehr schlecht als recht lesen kann.
„Hilfe“, sagt ein Kind.
"...und die Institution antwortet:
»Du brauchst vor dem Anfangen keine Angst zu haben; wir alle sind da,
um dir zu zeigen, daß der Diskurs in der Ordnung der Gesetze steht"

..wir alle sind da, um dir zu zeigen,daß man seit jeher über seinem Auftreten wacht; daß ihm ein Platz bereitet ist, der ihn ehrt, aber entwaffnet; und daß seine Macht, falls er welche hat, von uns und nur von uns stammt.«Aber vielleicht sind diese Institution und dieses Begehren nur zwei entgegengesetzte Antworten auf ein und dieselbe Unruhe: Unruhe angesichts dessen, was der Diskurs in seiner materiellen Wirklichkeitals gesprochenes oder geschriebenes Ding ist; Unruhe angesichts jener vergänglichen Existenz, die zweifellos dem Verschwinden geweiht ist, aber nach einer Zeitlichkeit, die nicht die unsere ist; Unruhe, die unter jener alltäglichen und unscheinbaren Tätigkeit nicht genau vorstellbarer Mächte und Gefahren zu verspüren ist; verdächtige Unruhe von Kämpfen, Siegen, Verletzungen, Überwältigungen und Knechtschaften in so vielen Wörtern, deren Rauheiten sich seit langem abgeschliffen haben. Aber was ist denn so gefährlich an der Tatsache,daß die Leute sprechen und daß ihre Diskurse endlos weiterwuchern? Wo liegt die Gefahr?" In der...Umkehrung?

Ein Stockwerk höher. Ein übrig gebliebener, erschöpft und verwirrt wirkender Plüschhase, hinter Gittern.

(Textausschnitte aus Michel Foucault: "Die Ordnung des Diskurses")

1 Kommentar
April 21, 2009 um 6:36
wunderbare , böse collage .
the sad thing is though that the photos show the truth .
wie kann man kinder nur solche ordnungs- parolen als „sgraffiti“ an die wände malen lassen –
man fühlt sich an den sinnspruch- fimmel des 19. jahrhunderts erinnert , wenn nicht gar an die omnipräsenz ordnungspolitischer parolen in diktaturen …